<<Humanes Geld – Papiergeld und Münzen
Noch vor der ersten Maßnahme sind umfangreiche Verhandlungen nötig. Die künftigen Teilnehmer müssen alle Systembedingungen festlegen. Wird eine Einigung wahrscheinlich, wird der Finanzsektor in den beteiligten Staaten etwa 25% seines Personals abbauen. Der Grund sind die zu erwartenden Veränderungen. Doch die Finanzmarktaufsicht und die Bankenaufsicht werden den größten Teil dieser Personen benötigen. Die Arbeit dieser beiden Institutionen wird zur Umstellung, und in den ersten Jahren danach, sehr stark ansteigen.
Einem Entschluss der europäischen Union, zur Umstellung auf das humane Geldsystem, kann nur ein umfangreicher Austausch der Spitzenpositionen auf nationaler und internationaler Ebene vorausgehen. Man darf sich diesbezüglich keiner Illusion hingeben. Zurzeit sind alle wichtigen Positionen mit Personen besetzt, die keinerlei Interesse an einer humanen Lösung haben. Im Gegenteil, an den Hebeln der Macht sitzen vor allem Personen mit einem Naheverhältnis zu Institutionen, welche die letzten Krisen ausgelöst, oder zumindest davon profitiert, haben.
Die erste Maßnahme besteht in der Erfassung aller Kredite und anderer Verträge, die Geld schöpfen, sowie in der Einrichtung des Pufferkontos und aller anderen relevanten Konten bei den Zentralbanken. Die Banken beginnen dann mit der Rückzahlung an die Zentralbank.
Die zweite Maßnahme ist die Umschuldung aller Staatsschulden am Finanzmarkt durch die Zentralbank und der Beginn von Verhandlungen mit den Gläubigern. Ziel ist es, die Staatsschulden auf die Ebene anderer Staaten zu verlagern und über Verträge zur Handelsbilanz auszugleichen. Auch Schuldenschnitte werden eher die Regel als die Ausnahme. Die Verwaltungen von Staat, Länder und Gemeinden zahlen danach ihre Schulden an die Zentralbank zurück. Gleichzeitig erfolgt der Verkauf sämtlicher Rücklagen der Zentralbank. Gold wird durch diesen Schritt ein Metall, wie jedes andere. Der Goldpreis wird schon vorher massiv fallen.
Die dritte Maßnahme ist die Einrichtung der Mechanismen der Basiskaufkraft. Pensionsansprüche werden vorzeitig ausbezahlt und die Pensions- und Krankenkassen aufgelöst, bzw. in die Ministerien eingegliedert. Zahlungen für Renten, Gesundheit, Pflege, Sozialhilfe, ect. werden danach durch die Basiskaufkraft ersetzt. Pensionisten der Zukunft werden von ihren Firmenanteilen und/oder von der Basiskaufkraft leben. Ebenso leben Kinder und Jugendliche und jene Erwachsenen, die es nicht schaffen, genug eigenes Einkommen zu erwirtschaften hauptsächlich von der Basiskaufkraft. In fernerer Zukunft wird es nur sehr wenige Menschen geben, die nicht im Laufe ihres Lebens irgendwann von der Basiskaufkraft gelebt haben, das wird zu einer Selbstverständlichkeit.
Wird der Euroraum auf das humane Geld umgestellt, so wird er bereits nach kurzer Zeit zur Leitwährung, denn durch die stabilen Preise sind alle anderen Volkswirtschaften gezwungen, gegenüber dem Euro abzuwerten.
Anfangs können Angriffe von den globalisierten Mächten nur mit starken Mechanismen abgewehrt werden. Dazu gehören Sozialzölle, Umweltzölle und andere gezielte Politik. Auch wenn dazu einige internationale Verträge gekündigt werden müssen.
Wegen der horrenden Staatsschulden der meisten Länder, sind anfangs sehr hohe Basiszeiträume nötig. Dies führt in den am höchsten verschuldeten Regionen zu Erbschaftssteuern von über 90%. Nur die steuerfreien Sockelbeträge können vererbt werden. Diese Tatsache ist das große Hindernis für dieses System, denn die herrschenden Oberschichten verteidigen ihr Vermögen mit allen Mitteln. Diese Tatsache beschert jedoch auch einen Vorteil. Dieser Vorteil ist ein zusätzliches Steuerungselement für die Zentralbank. Durch die enormen Einnahmen aus der Erbschaftssteuer können sie Schulden schneller zurückzahlen als vereinbart. Sie können diesen Vorgang somit steuern, das heißt verlangsamen oder beschleunigen, je nach Notwendigkeit.
Viele Banken werden in Konkurs gehen, weil sie zur Umstellung ihre Kredite und Verträge zu 100% kapitalisieren müssen. Das werden leider viele sein. Daher brauchen wir vor der Umstellung ein funktionierendes Liquidationsverfahren für Banken. Meist werden solche Banken jedoch verstaatlicht, in eine SAG umgewandelt und wieder verkauft. Spareinlagen müssen dabei durch staatliche Institutionen gesichert werden. Der große Vorteil dieses Vorganges ist das Verschwinden von virtuellen Vermögen, Scheinvermögen, die nur aus künstlichen Erfindungen der Wertpapierabteilungen der Banken bestehen. Dieser Vorgang lässt die gesamte Geldmenge schrumpfen und dadurch können die anfangs hohen Basiszeiträume verkürzt werden.
Der heißeste Kampf wird die Zerschlagung von internationalen Unternehmen sein, die nicht zur realen Wirtschaft gehören. Dies sind in erster Linie Hedgefonds und Versicherungen, aber auch HighTec-, Glückspiel- und große Pharmaunternehmen. Letztere deshalb, weil sie sich völlig vom ursprünglichen Sinn abgewandt haben. Sie werden alle verstaatlicht, in eine SAG umgewandelt und die SAG-Anteile an die Bürger verkauft. Bezieher der Basiskaufkraft und Bezieher von Ausgleichszulagen könnten kostenlose Coupons erhalten, die sie in SAG-Werte ihrer Wahl umtauschen können. Dies würde die Korrektur der Vermögensschere beschleunigen.
Die größeren Staaten sollten überlegen, ob sie nicht besser zwei oder noch mehr Zentralbanken installieren. Die Regionen sollten durchgängig eine etwa gleiche Wirtschaftskraft haben. Es ist viel sinnvoller, wenn wirtschaftlich schwache Regionen eine eigene Zentralbank installieren, so kann der Humanwert gegenüber der stärkeren Region abwerten. Die Aufteilung der Staatsschulden muss in diesem Fall vorher verhandelt werden.
Mit der Umstellung muss auch das politische System verbessert und harmonisiert werden.
Neben der primären Aufgabe der Zentralbank, den stabilen Preisen, gibt es immer Druck, die Erbschaftsteuer zu senken. Dazu muss die Region den Basiszeitraum verkürzen. Dies funktioniert jedoch nur, wenn entweder der Humanwert steigt, oder die gesamte Geldmenge verringert wird.
Die Geldmenge zu verringern, bedeutet ein Schrumpfen der Wirtschaft. Im Gegensatz zum heutigen System, kann dies im humanen Geldsystem durchaus eine sinnvolle Option sein. Wenn zum Beispiel die Bevölkerung durchgängig mit einer neuen Technik versorgt ist, braucht man viel weniger Ressourcen, um diese Technik aufrecht zu erhalten.
Der Humanwert steigt, wenn die Produktivität steigt. Das heißt, dieser Region gelingt es, dieselbe Menge Waren und Dienstleistungen mit weniger Aufwand zu erzeugen. Mit dem Humanwert steigt die Geldmenge. Man kann also den Basiszeitraum verkleinern, was die Geldmenge wieder auf das vorherige Maß schrumpfen lässt und die Erbschaftsteuer damit sinken lässt. Es gibt jedoch auch hier einen Gegenzug. Je niedriger die Erbschaftsteuer wird, desto niedriger wird auch der steuerfreie Sockelbetrag, sodass die steuerpflichtige Bevölkerungsschicht wächst. Dies erzeugt einen politischen Gegendruck, der auf eine Erhöhung der Erbschaftsteuer abzielt.
Die Schulden der Verwaltungen von Staat; Länder und Gemeinden richten keinen Schaden mehr an. Sie erhöhen zwar die Geldmenge, doch ihre Reduzierung ist nicht schädlich, wie im alten System. Ständig ansteigende Schulden schaden zwar der Währung nicht mehr, der Gesellschaft aber sehr wohl. Wegen der hohen Rückzahlungen werden die Steuern immer höher, auf Dauer stellt nur eine Reduzierung der Schulden oder zumindest ein Beenden der Neuverschuldung eine Lösung dar. Die Schulden, Steuern und Serviceleistungen des Staates sollten auf Dauer ein möglichst harmonisches Verhältnis zueinander haben.
Längerfristig wird die sogenannte „Obsoleszenz“ beendet, denn auch durch langlebige Produkte kann man ein Schrumpfen der Wirtschaft erreichen, was wiederum zum Absenken der Erbschaftssteuer führt.
Auch längerfristig ergibt sich eine Wanderbewegung zu Regionen mit niedrigen Basiszeiträumen, denn dort kann man seinen Kindern sein Vermögen günstiger vererben. Dieser Zuzug zwingt jedoch zumeist auch zu einer Erhöhung des Basiszeitraumes, was dieser Wanderbewegung wieder entgegen wirkt.
Nach einigen Jahren wird das humane Geldsystem zur Selbstverständlichkeit. Die neuen Generationen können sich kein wirkliches Bild mehr von den alten Ungerechtigkeiten machen.